LOC.id: Eine App, die blinden und sehbehinderten Menschen Orientierung gibt
Wer schlecht oder gar nicht sehen kann, steht im Alltag vor vielen Situationen, in denen andere Menschen ganz selbstverständlich visuelle Informationen nutzen: Wo befindet sich die Ampel? Welcher Eingang gehört zu welchem Gebäude? Wo beginnt eine Baustelle? Welche Haltestelle ist die richtige? Die App LOC.id soll solche Informationen hörbar machen. Sie verbindet das Smartphone über Bluetooth mit entsprechend ausgestatteten technischen Systemen in der Umgebung.
Nähert sich eine Person mit aktivierter LOC.id-App einem solchen System, können automatisch akustische Signale oder Sprachinformationen ausgegeben werden. (RTB BL)
Was kann die LOC.id-App?
LOC.id ist vor allem für blinde und sehbehinderte Menschen gedacht. Die Anwendungsmöglichkeiten gehen jedoch deutlich über die Unterstützung an einer einzelnen Ampel hinaus.
Je nachdem, welche Technik vor Ort installiert ist, kann die App beispielsweise:
- Ampeln auffindbarer machen: Akustische Signale werden aktiviert oder verstärkt, wenn sich ein Nutzer mit LOC.id nähert.
- Bei der Orientierung an Haltestellen helfen: Entsprechend ausgestattete Systeme können Informationen zu öffentlichen Verkehrsmitteln ausgeben.
- Gebäude und Eingänge kennzeichnen: An bestimmten Orten können sogenannte Auffindepunkte Informationen über den Standort oder einen Eingang geben.
- Durch Baustellen führen: Akustische Signale können beispielsweise auf einen Baustelleneingang oder eine Umleitung hinweisen.
- Informationen per Sprache ausgeben: Je nach eingesetztem LOC.id-System können individuelle Ansagen hinterlegt werden. (Landesbildungszentrum für Blinde)
Das Prinzip ist dabei immer ähnlich: Die Umgebung wird mit geeigneter Technik ausgestattet und die App erkennt diese Systeme in ihrer Nähe.

Wenn der E-Scooter plötzlich piept
Besonders interessant ist eine weitere Anwendung: E-Scooter können mit LOC.id ebenfalls akustisch auf sich aufmerksam machen!
Bei entsprechend ausgestatteten Rollern wird ein Signal ausgelöst, wenn sich ein Nutzer mit aktivierter LOC.id-App nähert. Das Signal verändert sich abhängig von der Entfernung zum Roller und wird bei Annäherung deutlicher. Die Funktion wurde bereits 2023 in die App integriert.
Das kann für blinde Menschen eine wichtige Hilfe sein. Denn ein E-Scooter, der mitten auf dem Gehweg steht oder liegt, ist nicht nur ein Ärgernis, sondern kann zu einem echten Hindernis werden.
Und hier wird die Technik auch für einen größeren Personenkreis interessant.
Könnte das auch älteren Menschen helfen?
Nicht jeder ältere Mensch kommt mit der zunehmenden Zahl von E-Scootern im Straßenverkehr problemlos zurecht. Wer schlechter sieht oder hört, mit einem Rollator unterwegs ist oder einfach langsamer reagiert, kann einen herannahenden oder ungünstig abgestellten Roller möglicherweise erst spät wahrnehmen.
Ein akustisches Warnsignal könnte in solchen Situationen zusätzliche Orientierung geben!
LOC.id ist allerdings keine allgemeine E-Scooter-Warn-App für ältere Menschen. Die Funktion ist an die entsprechende LOC.id-Nutzung und an dafür ausgestattete Roller gebunden. Auch müssen die technischen Voraussetzungen vor Ort vorhanden sein. (App Store)
Trotzdem zeigt das Beispiel, was mit solchen technischen Lösungen möglich ist: Informationen aus der Umgebung können gezielt an Menschen weitergegeben werden, die sie auf herkömmlichem Weg nicht oder nur schwer wahrnehmen können.
Auch für Pflegeeinrichtungen interessant
Das Prinzip lässt sich sogar auf Pflegeeinrichtungen und andere Gebäude übertragen. Auf dem Gelände des Landesbildungszentrums für Blinde in Hannover werden LOC.id-Systeme beispielsweise genutzt, um Gebäude und Eingänge akustisch auffindbar zu machen. Beim Näherkommen ertönt zunächst ein Hinweiston; kurz vor dem Ziel kann zusätzlich eine Sprachinformation zum Standort ausgegeben werden.
Für Einrichtungen, in denen Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen leben, könnte eine solche Form der Orientierung ebenfalls interessant sein. Gerade in größeren Gebäuden mit langen Fluren, mehreren Eingängen oder häufig wechselnden Bereichen können eindeutige akustische Informationen die Orientierung erleichtern.
Technik, die Selbstständigkeit unterstützen kann
LOC.id zeigt damit einen interessanten Ansatz für Barrierefreiheit: Nicht der Mensch muss sich immer an eine komplizierte Umgebung anpassen. Auch die Umgebung kann Informationen bereitstellen und sich besser auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer einstellen.
Für blinde und sehbehinderte Menschen kann das mehr Orientierung und Selbstständigkeit bedeuten. Und die Idee lässt sich durchaus weiterdenken – etwa für ältere Menschen, die im Straßenverkehr oder in fremden Gebäuden ebenfalls auf zusätzliche Orientierungshilfen angewiesen sind.
Die Voraussetzung bleibt allerdings entscheidend: Eine App allein kann keine akustischen Informationen erzeugen, wenn es am jeweiligen Ort kein kompatibles LOC.id-System gibt. Die Technik muss also Teil der Umgebung sein.



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