Kopf zurück beim Trinken? Warum dieser Reflex für Senioren gefährlich ist (und wie es richtig geht)

Wer kennt ihn nicht – den Trinkspruch: „Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken!“ und das Bild von Leuten, die ein Schnapsglas kippen und den Kopf nach hinten nehmen, haben wir wohl alle im Kopf. Ist aber genau falsch für Leute, die Schluckstörungen entwickeln – und das sind auch junge Menschen.

Schluckstörungen /Dysphagie kann vielerlei Ursachen haben und kann auch junge Menschen betreffen. Beispielsweise kann es Probleme mit der Schilddrüse geben oder ein Halswirbel blockiert. Man kann sich denken, dass so eine Störung gravierende Einflüsse auf das Wohlbefinden hat und zu Panikstörungen führen kann.
Wir empfehlen in diesem Fall, neben der Ursachenforschung und Behandlung bei Experten auch die Fb-Gruppen dazu aufzusuchen, denn dort kann man sich psychisch gegenseitig unterstützen und austauschen, wie man sein Essen zubereitet.
Bei alten Menschen ist es recht häufig, dass sie Schluckstörungen entwickeln, besonders bei fortgeschrittener Demenz oder nach Schlaganfall. Diese Störung ist für Pflegende Angehörige eine ziemliche Herausforderung, weil man darauf einfach nicht vorbereitet sein kann und sich anatomisch nicht so auskennt, dass man instinktiv richtig handeln würde.
Wenn das Trinken also plötzlich zur Herausforderung wird und das Husten am Esstisch zunimmt, geraten viele pflegende Angehörige in Sorge. Das Problem: Ein altes, tief sitzendes Verhaltensmuster macht die Situation oft nur noch schlimmer. Viele Menschen legen beim Schlucken intuitiv den Kopf nach hinten – in dem Glauben, dass die Flüssigkeit so schneller den Hals hinunterfließt. Bei älteren Menschen oder Personen mit beginnenden Schluckstörungen (Dysphagie) erhöht genau diese Bewegung das Risiko einer gefährlichen Verschluckung drastisch.

Warum „Kopf nach hinten“ gefährlich ist

Um zu verstehen, warum die Nackenstreckung problematisch ist, hilft ein kleiner Blick auf die Anatomie: Im Hals teilen sich die Speiseröhre und die Luftröhre denselben Eingangsbereich. Beim Schlucken muss der Kehlkopf nach oben wandern und der Kehldeckel (Epiglottis) klappt wie ein Schutzdeckel über die Luftröhre, damit nichts in die Lunge gerät.
Legt man den Kopf nach hinten:
  • Öffnet sich die Luftröhre: Die Atemwege werden weit aufgerissen und ungeschützt offengelegt.
  • Verliert der Kehldeckel seine Schutzfunktion: Er kann die Luftröhre nicht mehr vollständig abdichten.
  • Fließt Flüssigkeit ungebremst: Wasser oder Tee schießen durch die Schwerkraft nach hinten, bevor der Schluckreflex überhaupt ausgelöst wird.
Die Folge ist ein hohes Risiko für das sogenannte Aspirieren (Verschlucken). Gelangen Flüssigkeiten oder Speisereste in die Lunge, kann das im schlimmsten Fall zu einer schwerwiegenden Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) führen.

Die goldene Regel: Kopf nach vorne (Der „Chin-Tuck“-Trick)

Die richtige und sicherste Haltung beim Trinken ist genau das Gegenteil: Der Kopf bleibt gerade oder wird leicht nach vorne genneigt.
In der Fachsprache und Logopädie nennt man diese Methode den Chin-Tuck-Head-Down-Maneuver (Kinn-zur-Brust-Haltung):
  1. Aufrechte Sitzposition: Die pflegebedürftige Person sitzt möglichst aufrecht (90-Grad-Winkel), der Rücken ist gestützt, beide Füße stehen flach auf dem Boden oder einer Fußstütze.
  2. Kopf leicht senken: Vor dem Schlucken wird das Kinn sanft in Richtung Brustbein genneigt – der Blick geht leicht nach unten.
  3. Schlucken: In dieser Haltung wird geschluckt.
Warum das funktioniert:
Durch das Senken des Kinns verengt sich der Eingang zur Luftröhre naturbedingt. Der Kehldeckel wird automatisch in eine bessere Position gebracht, um die Atemwege abzuschirmen. Gleichzeitig erweitert sich der Raum vor der Speiseröhre, sodass die Flüssigkeit kontrollierter abfließen kann.

Praktische Sofort-Tipps für den Pflegealltag

Da es oft Wochen oder Monate dauern kann, bis ein Termin bei einer spezialisierten logopädischen Praxis zustande kommt, helfen diese Maßnahmen, den Alltag sofort sicherer zu gestalten:
  • Die passenden Gefäße wählen: Nutzen Sie keine normalen Tassen oder Gläser, bei denen man den Kopf nach hinten legen muss, um den letzten Schluck zu trinken. Vermeiden Sie auch Schnabelbecher mit langer Tülle, da diese oft zu einem unkontrollierten Flüssigkeitsschwall führen. Besser sind Becher mit Nasenausschnitt (sog. Nasenausschnittbecher) – diese erlauben das Trinken mit gesenktem Kopf, ohne dass die Nase an den Becherrand stößt.
  • Keine Hektik und Ablenkung: Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung. Fernseher oder Radio sollten ausgeschaltet sein. Sprechen Sie nicht mit der Person, während sie Flüssigkeit im Mund hat.
  • Dickflüssiges ist leichter zu kontrollieren: Dünne Flüssigkeiten wie Wasser, Kaffee oder klarer Apfelsaft fließen extrem schnell. Wenn das Verschlucken gehäuft auftritt, können spezielle Andickungsmittel aus der Apotheke oder dem Sanitätshaus helfen. Sie verändern den Geschmack nicht, sorgen aber dafür, dass die Flüssigkeit langsamer gleitet und der Schluckreflex rechtzeitig einsetzt.
  • Nach dem Trinken aufrecht bleiben: Lassen Sie die Pflegeperson nach dem Essen oder Trinken noch mindestens 15 bis 20 Minuten aufrecht sitzen, damit nichts zurückfließt.

Tipp: Je mehr die Schluckstörung fortschreitet umso weniger wollen die Betroffenen essen oder trinken. Man muss regelrecht erfinderisch sein. Gute Erfahrungen haben wir mit Kefir und Milch gemixt gemacht sowie mit Trinkmahlzeiten wie von Justfood, diese sind nicht nur sehr nahrhaft und eiweissreich, was sehr gut für Senioren ist, sondern sie haben eine cremige Konsistenz und sind recht aromatisch.

Viele Senioren trinken gerne so eine Mahlzeit, sie kann ebenfalls mit Kefir oder Milch gemixt werden, je nachdem welche Konsistenz am besten ist und ob man sie noch strecken will. Es gibt natürlich die Trinknahrung von Fresubin. Damit kommen aber nicht alle Betroffenen gut klar. Die Trinkmahlzeiten aus dem Supermarkt sind eine interessante Alternative und werden durch die Geschmacksrichtungen wie Vanille, Banane, Kaffee wie ein Dessert angenommen.

Der Weg zur Diagnose: Wie geht es weiter?

Der Verdacht auf eine Schluckstörung sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Gehen Sie wie folgt vor:
  1. Hausarzt oder Neurologe kontaktieren: Schildern Sie die Beobachtungen (häufiges Husten, räuspern, feuchte/belegte Stimme nach dem Trinken).
  2. Heilmittelverordnung (Rezept) ausstellen lassen: Der Arzt kann eine Verordnung für Logopädie bzw. Sprach-/Sprechtherapie mit dem Indikationsschlüssel für Schluckstörungen ausstellen.
  3. Auf Wartelisten setzen lassen: Mieten Sie bei Logopädie-Praxen nicht nur Termine an, sondern fragen Sie gezielt nach Therapeutinnen und Therapeuten mit der Zusatzqualifikation Dysphagietherapie.
  4. HNO- oder Phoniater-Konsil: Gegebenenfalls kann eine Kehlkopfuntersuchung (z. B. eine Endoskopie beim Schlucken, FETS) Aufschluss über die genaue Ursache geben.
Anhaltendes Verschlucken ist kein Schicksal, das man hinnehmen muss. Mit der richtigen Kopfhaltung und kleinen Anpassungen im Alltag reduzieren Sie das Risiko für Komplikationen sofort spürbar und gewinnen Sicherheit zurück.

 

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