Hobbys für Pflegende Angehörige

Die Pflegezeit ist eine ganz spezielle Zeit, von der man nie weiß, wie lange sie dauern wird. Viele Freizeitaktivitäten gehen nun nicht mehr, aber man kann diverse Hobbys pflegen.

Personen, die selber nicht pflegen oder noch nie gepflegt haben, kommen meist mit guten Ratschlägen wie “Tu auch was für dich!” “Geh raus, lenk dich ab”, “Du musst auch Sport machen”, etc. pepe.

Wer selbst pflegt weiß, dass diese Situation im Grunde mit keiner anderen im Leben vergleichbar ist, auch nicht mit der Eltern von kleinen Kindern oder Babys zu sein. Denn Babys kann man gut zu vielen Aktivitäten mitnehmen, man kann in Krabbelgruppen gehen, sich mit anderen Eltern treffen und austauschen, während man die Kleinen im Blick hat – das alles geht in der Pflege nicht.

Auch sind gesunde Kinder nicht vollkommen hilflos und brauchen dauernd Betreuung oder eben 1:1 Betreuung. Da reicht es sie in Gruppen zu betreuen.

Und die Pflege von Kranken, Behinderten oder einfach schwachen Senioren ist nicht so gut organisiert wie allgemein die Kinderbetreuung. Daher ist die Pflegezeit auch einfach kein “normales” Leben, sondern man muss komplett umdenken, sich neu organisieren und kreativ werden.

Wenn man Entspannung und Erbauung sucht, geht das nicht wie sonst im normalen Leben. Sondern es müssen Alternativen her. Alles, was erfordert, Termine außer Haus wahrzunehmen, ist Stress!

Bitte keine festen Termine außer Haus!

Es ist von außenstehenden gut gemeint, aber lässt sich kaum realisieren – regelmäßige Aktivitäten außer Haus. Das artet in Stress aus, denn man kann nie wissen, in welchen Zustand der Pflegling zu dem jeweiligen Termin ist, ob er grad Hilfe braucht und sei es auch nur für einen Toilettengang.

Nichts lässt sich mehr regeln wie sonst. Daher sind feste Termine einfach immer Stress für alle im Pflegehaushalt. Man weiß nie, ob man sie einhalten kann. Denn der Pflegling kann seine Körperfunktionen nicht mehr so kontrollieren oder steuern wie als gesunder, vitaler Mensch und sein Zustand variiert.

Wöchentliche feste Termine außer Haus sind also ein Stressfaktor, den man sich auch ersparen kann, wenn es geht. So lange die zu pflegende Person noch mobil ist, kann sie natürlich zu ihren Therapie-Terminen noch gebracht werden und anderes außer Haus einhalten. Aber sobald die Mobilität weg ist, wird alles sehr kompliziert. Man braucht einen Rollstuhlfahrdienst, der immer erst organisiert werden muss, dazu ein Rezept vom Arzt für die Fahrt.

Zudem ist es unbequem und unangenehm für den Pflegling, daher reduziert man solche Termine auf das Nötigste. Die Therapeuten kommen bei immobilen Personen ja auch ins Haus. Auch der Hausarzt kommt ins Haus, wenn es anders zu beschwerlich wird.

Aber wir sind hier eigentlich beim Thema Hobby für Pflegenden Angehörige. Und hier gilt eben auch: Alle regelmäßigen Termine außer Haus sind schwer zu realisieren. Es kommt auf den Tageszustand des Pfleglings an, ob man weg kann.

Daher sind Kurse und wöchentliche Termine eben nicht so gut geeignet. Zwar kann man Verhinderungspflege zu versuchen zu organisieren, aber das muss gut eingespielt sein.

Hobbys im Haus suchen

Einfacher ist es, sich gleich Hobbys zu suchen, die man zuhause ausüben kann. Auch Neues lernen geht natürlich und das ist gar nicht wenig! So hat man seine Auszeiten von der Pflege zuhause und kann sie jederzeit unterbrechen, wenn der Pflegling Hilfe braucht. Das ist wesentlich stressfreier als Termine einzuhalten und auf Knopfdruck zu versuchen sich zu entspannen.

Neue Hobbys für zuhause entdecken und Neues lernen, Beispiele:

  • Malen/Zeichnen – zum Entspannen reichen Ausmalbücher!
  • Online-Kurse anfangen zu allen möglichen Hobby-Themen: Man kann die Lektionen jederzeit anfangen und auch unterbrechen.
  • Musikinstrumente neu lernen, online.
  • Sprachen lernen per App
  • Weiterbildungen online tätigen
  • Sport- und Fitnesskurse online absolvieren oder per Apps
  • Bauen und Basteln
  • Nähen, Handarbeiten
  • DIY allgemein

Wichtig! Für diese Hobbys muss man sich Zeit nehmen, die man ja eigentlich nicht unbedingt hat! Dafür muss man eben andere Dinge liegen lassen!! Bitte in der Pflegezeit keine Perfektion anstreben, was Haushaltsführung angeht. Man muss Kompromisse eingehen, es ist kein normales Leben.

Diese Auszeiten, in denen man seine Hobbys pflegt, beruhigen Nerven und Gemüt, was besonders in der Pflege von Demenzkranken unglaublich wichtig ist.

Die Prioritäten, was die Pflichten in der Pflege angeht, sind im Grunde ganz klar:

An erster Stelle kommt das Wohl und die Pflege der Pflegeperson. Dann kommen die wichtigsten Pflichten im Haushalt, das sind Essen besorgen und zubereiten und angemessene Hygiene im Haushalt. Wobei man nicht den Standard von Krankenhäusern und Pflegeheimen halten kann.

Dann kommt der eigene Beruf, sofern man ihn noch ausüben kann. Dann kommt die eigene Gesundheit und Körperpflege und erst dann kommt der restliche Haushalt, was nämlich Ordnung angeht. Denn, wenn man versucht, in der Pflegezeit, den Haushalt genauso zu führen, wie außerhalb der Pflegezeit, dann wird einer der aufgelisteten Punkte vernachlässigt.

Sei es die eigene Gesundheit oder der eigene Beruf. An irgendeinem Punkt gibt es in der Pflegezeit immer eine Vernachlässigung. Am meisten aber vernachlässigen sich Pflegende Angehörige selbst. Das ist einfach so.

Daher muss man um noch Hobbys pflegen zu können und sich ein wenig zu Entspannen, sich Zeit nehmen, die man eigentlich nicht hat, was bedeutet, man lässt bestimmte Arbeiten liegen.

Hobbys auszuüben ist wohl in keiner Phase des Lebens so wichtig, wie wenn man pflegt oder selbst erkrankt ist. Hobbys sind Auszeiten im Alltag, denn den Pflegenden Angehörigen stehen nur wenig Urlaubszeiten zur Verfügung. Meist sind es knappe 4 Wochen, die von den Krankenkassen noch bezahlt werden, alles darüber hinaus, muss dann vom Pflegling selbst bezahlt werden.

 

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