Haltegriffe an der Toilette – welche Möglichkeiten gibt es für pflegebedürftige Personen?
Wenn Menschen mit Einschränkungen oder im Alter die Toilette nutzen wollen, kann das schnell zur Herausforderung werden. Unsicherheiten beim Hinsetzen und Aufstehen, ein erhöhtes Sturzrisiko und der Wunsch nach Selbstständigkeit machen Hilfsmittel notwendig. Haltegriffe an der Toilette sind dabei eine einfache und sehr wirksame Lösung. Doch Haltegriff ist nicht gleich Haltegriff – es gibt unterschiedliche Varianten, die je nach Platz, Pflegesituation und Budget infrage kommen.
Es fängt schleichend an: Die Beine werden schwächer, man geht unsicherer, sucht öfter Halt. Was die Betroffenen leicht verdrängen: Besonders das Aufstehen und Hinsetzen ist eine Herausforderung. Dabei ist das genau das, was man täglich mehrmals für den Toilettengang benötigt.
Eines ist klar: Muskeltraining kann hier noch viel retten! Also am besten möglichst früh und regelmäßig damit anfangen, spätestens dann, wenn man merkt, dass das Aufstehen und Hinsetzen irgendwie beschwerlich wird. Es ist nicht immer eine dauerhafte Schwäche, sondern kann mit Physiotherapie noch gut in den Griff bekommen werden.
Wenn man aber Beinverletzungen hat, einen Tremor (also Zittern) und oder wenn man nach OP-Phasen und Krankheiten einfach zu schwach geworden ist, um sich sicher hinzusetzen, muss man die Toilette sicherer machen. Denn die Sturzgefahr ist sehr groß. Meist fangen Betroffene an, sich irgendwo in der Nähe abzustützen, was meist das Waschbecken ist. Das ist aber nicht dafür geeignet und kann von der Wand reißen.
Auch wenn das nicht passiert, so kann die betroffene Person stürzen, das Gleichgewicht verlieren. Wir müssen nicht ausmalen, was das alles zur Folge haben kann. Es gibt sehr verschiedene Möglichkeiten den Personen auf der Toilette Halt zu geben. Wir hatten eine sogenannte Poolstange, die bis zur Decke geht. Hier kann man sich einseitig festhalten. Man muss genau schauen, welche Lösung zu der Person passt. Wir hatten dann später auch eine Stange, die seitlich an der Wand montiert war und hochklappbar war, diese wurde dann aber nur zum Festhalten auf der Toilette genutzt, weil die Person einen Tremor hatte und nicht ruhig sitzen konnte.
Irgendwann war es eh soweit, dass der Toilettengang nur noch mit Toilettenrollstuhl zu bewältigen war. Aber es gibt im Fitnessgrad einfach verschiedene Abstufungen. Viele Personen können noch bis zum Lebensende laufen, brauchen aber auf der Toilette Haltegriffe. Wir stellen verschiedene Möglichkeiten vor. Man muss sich aber damit abfinden, dass man im Laufe der Pflegezeit verschiedene davon nutzen muss.
Feste Wandhaltegriffe
Die klassische und kostengünstigste Lösung sind fest an der Wand montierte Haltegriffe. Sie geben zuverlässigen Halt beim Aufstehen und Hinsetzen.
- Vorteile: stabil, langlebig, unkompliziert zu reinigen.
- Nachteile: nur dort möglich, wo eine tragfähige Wand vorhanden ist; Position nicht flexibel.
- Geeignet für: Personen, die sich selbstständig bewegen können, aber zusätzliche Sicherheit benötigen.
Ob die Gegebenheiten dafür da sind, wird das Badumbauunternehmen vor Ort feststellen. Oft müssen individuelle Lösungen gefunden werden. Bei uns ging die Montage an der Wand nicht. Der Haltegriff musste im Boden verankert werden.
Klappbare Haltegriffe
Hochklappbare Stützgriffe, die seitlich an der Toilette angebracht werden, sind besonders praktisch, wenn mehrere Personen die Toilette nutzen.
- Vorteile: klappbar, platzsparend, oft auch mit integriertem Papierrollenhalter erhältlich.
- Nachteile: aufwendigere Montage, müssen regelmäßig auf Stabilität geprüft werden.
- Geeignet für: Haushalte, in denen pflegebedürftige und mobile Personen dieselbe Toilette benutzen.
Wenn es auf der Toilette/im Bad ohnehin eng ist, dann braucht man unbedingt diese Lösung. Denn ein fester Haltegriff stört absolut, wenn man mit Rollstuhl hantieren muss. Besonders, wenn man eine Person transferieren will, stört der Griff, obwohl er gut wäre zum Festhalten. Der genaue Bewegungsablauf muss angeschaut werden und der Badumbau darauf abgestimmt. Trotzdem ist das nicht immer langfristig und man muss später wieder etwas ändern.
Freistehende Haltegriffe
Wenn keine Bohrungen möglich sind oder die Wände ungeeignet sind, kommen freistehende Gestelle ins Spiel. Sie werden einfach um die Toilette herum aufgestellt.
- Vorteile: flexibel, kein Bohren notwendig, leicht umstellbar.
- Nachteile: nehmen etwas mehr Platz ein, können bei sehr kräftigem Abstützen verrutschen (je nach Modell).
- Geeignet für: Mietwohnungen, temporäre Nutzung oder wenn bauliche Veränderungen nicht möglich sind.
In jedem Fall besser als nichts. Allerdings kann die Stange, die unten quer am Toilettenrand entlang verläuft den Patienten stören.
Mobile und höhenverstellbare Varianten
Manche Systeme bieten mobile Haltegriffe mit Höhenverstellung oder sogar Rollen. Sie können individuell an die Körpergröße angepasst und bei Bedarf verschoben werden.
- Vorteile: flexibel, anpassbar, oft auch für Reisen geeignet.
- Nachteile: weniger stabil als fest montierte Lösungen, höherer Preis.
- Geeignet für: wechselnde Pflegeorte, Personen mit mittlerem Unterstützungsbedarf.
Kombination mit Toilettensitzerhöhungen
Viele Haltegriff-Systeme lassen sich mit einer Toilettensitzerhöhung kombinieren. Das erleichtert nicht nur das Aufstehen, sondern entlastet auch Knie und Hüfte. Besonders sinnvoll bei Arthrose oder eingeschränkter Beweglichkeit.
Elektrisch höhenverstellbare Stützsysteme
Im Premium-Bereich gibt es auch elektrisch höhenverstellbare Toilettenlifte mit integrierten Haltegriffen.
- Vorteile: maximale Unterstützung, ergonomische Anpassung, sehr komfortabel.
- Nachteile: teuer, oft nur bei dauerhaftem Bedarf sinnvoll.
- Geeignet für: stark pflegebedürftige Personen, die weiterhin möglichst selbstständig bleiben möchten.
Tipp: Wir hatten lange Zeit eine Polstange im Einsatz. Diese war sehr stabil, im Boden verschraubt. Man kann eine solche auch ans Bett bauen, wenn es passt. Unten in der Produktübersicht finden Sie eine solche Stange. Egal, für welches Haltesystem Sie sich entscheiden: Lesen Sie vorher die Rezensionen durch, so können Sie erfahren, wo es bei der Anwendung hapert und was vielleicht nicht in Ihre wohnlichen Gegebenheiten passt. Meist weiß man das nur selbst, nicht das Sanitätshaus oder andere externe Unternehmen, die nicht den Pflegeablauf und den Zustand des Patienten genau kennen.







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